Lebenslauf zur Ausstellung MONOCHROM

(November 2012, Galerie Azyl, Pilsen)

 

Ich wurde im Jahre 1986 geboren. Das merkt man sich gut, denn in diesem Jahr explodierte Tschernobyl. Ich weiβ nicht, ob mich damals eine Wolke oder etwas ganz anderes getroffen hat, jedenfalls fühle ich mich irgendwie betroffen. Als kleines Kind bin ich von einem Kirschbaum runter gefallen, aber das wäre wahrscheinlich etwa das Letzte, was meinen Lebensweg beeinfluβen konnte.
In jungen Jahren lebte ich meistens in Pilsen und dort habe ich auch meine Wurzeln geschlagen, was man heute nur schwer ignorieren kann. Als ich sechzehn war, bin ich mit reinem Herzen und klarem von Kenntnissen und Erfahrungen unbefleckten Kopf nach Prag gezogen. Die dortige Kunstgewerbeschule im Stadtviertel Žižkov hat alles getan, um aus mir ein widerstandsfähiges Wesen zu machen, doch es war eben Mütterchen Prag, das mich gelehrt hat überleben zu wollen. Nach dem Abitur versuchte ich das Studium fortzusetzen, aber diese Idee habe ich ziemlich schnell von mir abgestoβen und mich entschieden im Zentrum der Groβstadt zu bleiben. Dass ich keine Lust zum Studieren habe, heiβt aber noch nicht, dass ich ein Faulenzer bin. Kurz und gut, ich habe eben keine Lust über das Malen zu sprechen. Lieber nehme ich die Pinsel in die Hand und stürze mich an die nächstbeste Leinwand, die mir in den Weg kommt
Gegen Ende des Jahres 2010 bin ich plötzlich übergeschnappt und gleich Anfang Winter bin ich in die kleine Stadt Dvůr Králové bei Beroun umgezogen. Und dort hat auch mein harter Kampf um die Möglichkeit, nur vom Malen zu leben, begonnen. So etwas ist nämlich ziemlich schwer zu realisieren, falls die betreffende Person schon ein paar Jahre nicht tot ist. Aus diesem Grunde kann ich meine Entscheidung etwas schwächeren Individuen nicht empfehlen. Die Vorstellung, wie ein Maler mit übereinander geschlagenen Beinen im wunderschönen durchsonnten Atelier an der Staffelei bunte, herrlich duftende Blumen malt und dabei ein Glas Merlot trinkt, ist völlig abwegig.
Voriges Jahr, anfang Winter, zog ich nach Karlsbad um. Weder auch ohne jeden Grund. Est ist mir nur so eingefallen. Im Sommer dann habe ich doch von Neuen „den Anker gelichtet“, nur bis heute weiβ ich nicht wo ich weder „vor Anker“ gehen werde. Bloβ meine Ziele bleiben unverändert. Ich bin Malerin, aber nicht deshalb, weil malen mir Spaβ macht, sondern deshalb, weil ich keine andere Möglichkeit habe, wie ich leben soll.
Ein paar selbstständige Ausstellungen sind schon hinter mir. Weil ich alles ein schlechtes Gedächtnis habe, kann ich die genaue Zahl nicht mitteilen, so etwa zwei Dutzende werden es aber schon sein. Die zwei letzten Ausstellungen fanden statt auf der Burg Loket und in Karlsbad. Nächstes Jahr, wenn alles gut geht, werde ich in Wien beginnen.
Zur Zeit arbeite ich an Bestellungen in einem kleinen Atelier in Tymákov bei Pilsen und sehe der Zukunft mit Optimismus entgegen.